IG Metall Nordhessen
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05.06.2020, 13:06 Uhr

20.02.2020 | GE Grid in Kassel

IG Metall und Betriebsrat kritisieren geplante Fabrikschließung

Betriebsrat und IG Metall üben scharfe Kritik an der geplanten Schließung des Kasseler Produktionsstandorts von GE Grid. Der Leistungsschalter-Hersteller gehört dem amerikanischen Konzern General Electric (GE) und beschäftigt in Kassel derzeit rund 200 Fabrik-Mitarbeiter. „Das Unternehmen hat am Donnerstagmorgen während einer Mitarbeiterversammlung seine Absicht bekannt gegeben, unsere Produkte auf fünf Standorte, die auf der ganzen Welt verteilt sind, zu verlagern“, sagte der Betriebsratsvorsitzende, Benjamin Heinicke.

Benjamin Heinicke (links) und Oliver Dietzel kritisieren die Pläne von GE (Fotos: Uwe Zucchi/Martin Sehmisch)

Nur die rund 100 Mitarbeiter des Betriebsteils "Service" könnten nach der Planung in Kassel weiterarbeiten. „Die Kolleginnen und Kollegen sind entsetzt und empört“, sagte Heinicke.

IG Metall will für Arbeitsplätze kämpfen

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen, Oliver Dietzel, kritisierte die geplante Zerschlagung des Standorts scharf. „Hier sollen Fehlentscheidungen des Managements auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, bevor man sich überhaupt Mühe gegeben hat, vorhandene sinnvolle Produktstrategien umzusetzen“, sagte Dietzel. Gemeinsam mit dem Betriebsrat werde die Gewerkschaft für die Arbeitsplätze in Kassel kämpfen, kündigte der Gewerkschafter an. Entlassungen und Betriebsschließungen seien keine Lösung für die wirtschaftliche Situation von GE Grid. Das negative Ergebnis des Kasseler Standorts im Jahr 2019, das der Arbeitgeber als Grund für die Zerschlagungspläne genannt habe, sei nicht in Kassel zu verantworten.

Qualitätsprobleme an anderem Standort ausschlaggebend

Dass die Fabrik Kassel 2019 ein negatives Ergebnis erzielt hat, liege hauptsächlich an Managementfehlentscheidungen aus Paris, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Falk Hoinkis. „Das Produktlinienmanagement hat es von 2017 bis heute nicht geschafft, die Aktivteile des Messwandlers aus dem eigenen GE Standort in Indien in der nötigen Qualität nach Kassel zu liefern“, sagte Hoinkis. Die Ergebnisse der Bereiche Leistungsschalter und HYpakt, die diese Qualitätsprobleme nicht hatten, sind nach Angaben des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden positiv ausgefallen.

Unternehmen ignorierte Vorschläge

Die betrieblichen Interessenvertreter hatten auf diese Schwierigkeiten frühzeitig und nachhaltig hingewiesen. So habe man gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Beratungsunternehmen INFO-Institut verschiedene Szenarien analysiert und dem Produktlinienmanagement von GE Grid präsentiert. Die vorgeschlagenen Szenarien hätten Wege für eine langfristige Wirtschaftlichkeit des der Standort Kassel aufgezeigt. „Wir sind sehr enttäuscht, dass das Unternehmen diese konstruktiven Gespräche nicht genutzt hat, sondern stattdessen jetzt auf die Schließung des Produktionsstandorts in Kassel setzt“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Benjamin Heinicke. Dabei sei es langfristig im wirtschaftlichen Sinne von GE, die Produktion in Kassel zu erhalten.


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