13.07.2021 | Urabstimmung

Bei Vitesco stehen die Zeichen auf Arbeitskampf

Die Mitglieder der IG Metall bei Vitesco Technologies (Continental) in Bebra stimmen am Mittwoch über die Aufnahme des Streiks zur Durchsetzung eines Sozialtarifvertrags ab. Auf den Stimmzetteln geht es um die Frage, ob die Durchsetzung "mit allen gewerkschaftlichen Mitteln, einschließlich des Streiks" befürwortet oder abgelehnt wird.

Um den Streik zu legitimieren müssen 75 Prozent der betriebsangehörigen IG Metall-Mitglieder mit "Ja" stimmen. "Wir bereiten damit den Einsatz unseres letzten Notwehr-Mittels vor", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen, Oliver Dietzel, am Dienstag in Kassel. "Die Arbeitgeberseite ist auch nach zahlreichen Verhandlungsrunden zu keinerlei Garantien für die Zukunft der Beschäftigung in Bebra bereit", berichtete Dietzel. Die angekündigten Massenentlassungen und die Schließung des Betriebsteils im thüringischen Mühlhausen seien von so weitreichenden Folgen für die gut 1.000 Beschäftigten, dass ein Sozialtarifvertrag zur Abfederung unbedingt notwendig sei.

 

Erstmals seit Jahrzehnten eine Urabstimmung in Nordhessen

"Wir sind als IG Metall Nordhessen damit zum ersten mal seit Jahrzehnten in der Vorbereitung eines massiven unbefristeten Streiks", erklärte Dietzel. "Es liegt nun an den Mitgliedern bei Vitesco, über den weiteren Verlauf abzustimmen – wir sind davon überzeugt, dass es nicht mehr möglich ist, mit Verhandlungen ans Ziel zu kommen." Die unternehmerische Entscheidung, sich vollständig den berechtigten sozialen Interessen der Belegschaft zu verweigern, werde im Streikfall "sehr, sehr teuer", kündigte Dietzel an.

 

Betriebsratsvorsitzender: Beschäftigte sind "extrem sauer"

Im Anschluss an die sieben Teilbetriebsversammlungen ruft die IG Metall in Bebra am Mittwoch zudem zu einem weiteren Warnstreik auf. "Bereits die Beteiligung am Warnstreik wird zeigen, dass die Kolleginnen und Kollegen extrem sauer sind auf die Unternehmensführung", sagte der Betriebsratsvorsitzende von Vitesco in Bebra/Mühlhausen, Torsten Buske (IG Metall). Er rechne mit einer geschlossenen Teilnahme am kurzzeitigen Ausstand. Die Beschäftigten hatten bereits Ende April und Mitte Juni Warnstreiks organisiert, die jedoch den Verhandlungsverlauf nicht entscheidend verbessert hatten.