Nach Corona müssen wir alle weniger arbeiten!

Teil 1 unserer Statement- Serie zum Internationalen Frauentag. Mitglieder des Ortsfrauenausschusses berichten, was sie sich für die Zeit nach Corona wünschen.

Neue Technologien und Arbeitsorganisation – Industrie 4.0 – steigern die Produktivität der Arbeit stetig. In vielen Betrieben wird weniger menschliche Arbeitskraft benötigt und Arbeitsplätze werden abgebaut. Trotzdem berichten viele Arbeitnehmer*innen von einer Arbeitsverdichtung. Das wiederum führt zu einer Zunahme psychischer und psychosomatischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft. Studien belegen, dass längere Arbeitszeiten zu einer Erhöhung des Unfallrisikos sowie von Stress und berufsbedingten Krankheiten führen.

Die traditionelle geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in Deutschland sieht nach wie vor so aus, dass Frauen den Großteil der Erziehung, Pflege, Kochen, Putzen, usw. – also den Großteil der unbezahlten „Care-Arbeit“ übernehmen. Das führt in den meisten Fällen zu einer geringeren Erwerbsarbeitszeit. Frauen arbeiten oft in Teilzeit oder Minijobs. Während Väter oft darüber klagen, dass sie für Familie nicht genug Zeit haben, kommen Mütter in der Regel nicht auf ein Einkommen, dass eine eigenständige Existenzsicherung möglich macht.

Eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich würde eine proportionale Erhöhung des Stundenlohns bedeuten und besonders denen, die in unteren Lohngruppen arbeiten und/oder in Teilzeit arbeiten, von Vorteil sein. Dazu kommt noch, dass kürzere Arbeitszeiten auch neue Arbeitsplätze schaffen würden.

Frauen sind heute oft sehr gut ausgebildet, doch sie werden noch immer bei Weiterbildung und dem Wiedereinstieg nach dem Erziehungsurlaub benachteiligt. Und das in Zeiten, in denen Arbeitgeber über Fachkräftemangel klagen. Bei einer geschlechtergerechten Aufteilung von Arbeitszeiten könnte das vorhandene weibliche Fachkräftepotenzial viel effektiver genutzt werden.

Viele nachweisbare Argumente sprechen für eine kürzere Vollzeit. Es ist Zeit, ernsthaft über eine gerechtere Verteilung der bezahlten Arbeitszeit zu sprechen. Also die Umverteilung der vorhandenen Arbeit auf mehr Arbeitnehmer*innen – Frauen arbeiten mehr und Männer weniger – um die Lücke zwischen den Geschlechtern zu verringern und allen Arbeitnehmer*innen eine besserer Vereinbarkeit von Arbeit und Leben zu ermöglichen. Ob für Familie, Qualifizierung, Gesundheit oder Freizeit – wir können alle zusätzliche Zeit gut gebrauchen!

Imade Shealey, Vertrauensfrau bei Volkwagen in Baunatal