Nach Corona muss niemand Angst um seinen Arbeitsplatz haben!

Teil 2 unserer Statement- Serie zum Internationalen Frauentag. Mitglieder des Ortsfrauenausschusses berichten, was sie sich für die Zeit nach Corona wünschen.

Eine junge Frau, Mitte 30 und als Elektronikerin tätig, kommt nach einem achtstündigen Arbeitstag nach Hause und macht es sich nach einer Partie Siedler von Catan mit ihrer Freundin auf dem Sofa gemütlich und döst langsam ein. Zwei Stunden später wird sie von ihrer Freundin geweckt, da sie anscheinend was Schlechtes geträumt hat. Völlig aufgelöst fängt sie an, zu erzählen.

Sie war in ihrer aktuellen Firma und es gab eine Versammlung, wo allen Mitarbeiter*innen mitgeteilt wurde, dass die Firma geschlossen werden muss, da die Auftragslage erneut rückläufig war und ihnen vorwirft, ihre Gehaltskosten wären zu teuer. Alle sind sichtlich geschockt von den Ankündigungen und noch in der Versammlung wird klar, dass sie sich dagegen wehren werden. Sie haben einen langen Kampf mit vielen guten Aktionen gekämpft. Haben unter anderem eine Demo zu einer großen Kreuzung gemacht, haben einen Autokorso organisiert und es gab eine Petition. Leider verloren sie ihren Kampf und das Unternehmen blieb bei seiner Entscheidung.

Da endet ihr Traum. Sie sagt zu ihrer Freundin: "Ich bin froh, dass du mich geweckt hast. Das war so grauenvoll. Die ständige Angst, nicht zu wissen, wie es weitergeht, ob ich wieder neue Arbeit finde, ob ich mir davon dann auch was leisten kann oder ob ich auf vieles verzichten muss. Muss ich mir eine neue Wohnung suchen, vielleicht sogar in einer anderen Stadt weit weg von meinen Freunden und der Familie? Die Vorstellung, dass ich meine geliebten Kolleg:innen nach all den wundervollen Jahren zusammen missen müsste, treibt mir die Tränen in die Augen."

Ihre Freundin nimmt sie in den Arm und versucht sie zu beruhigen. Ihr kann sowas nicht passieren. Ihr Unternehmen ist so gut aufgestellt. Mit Hilfe der Gewerkschaft würde bei Schwierigkeiten über alternative Lösungsansätze gesprochen und so immer ein guter Weg für alle gefunden werden. Über Jahrzenten würde niemand gekündigt werden oder mit einer anderen Methode dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung gestellt werden. Nach einem leckeren Gläschen Wein gehen beide beruhigt ins Bett und freuen sich, dass ihnen sowas nicht passieren kann.

Viele Menschen leben mit der täglichen Angst um den Arbeitsplatz. Leiharbeit und die Zunahme von befristeten Arbeitsverträgen sind allgegenwärtig. Zusätzlich bedrohen Entwicklungen wie die aktuelle Coronasituation, die Digitalisierung oder der verschärfte internationale Wettbewerb die Arbeitsplätze. Arbeitnehmer*innen brauchen wirksame Instrumente für die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze und ein ausgewogenes Kräfteverhältnis auf beiden Seiten.

Britta Elsebach, Betriebsratsmitglied GE Grid Kassel