Nach Corona sind Entgelt- und Rentenlücke zwischen Männern und Frauen Geschichte!

Teil 4 unserer Statement- Serie zum Internationalen Frauentag. Mitglieder des Ortsfrauenausschusses berichten, was sie sich für die Zeit nach Corona wünschen.

Die gesamtgesellschaftliche Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland lag 2019 im Durchschnitt erstmals knapp unter 20 Prozent. Das sind 20 Prozent zu viel. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf dem vorletzten Platz vor Estland. Die Entgeltlücke in der EU liegt durchschnittlich bei 15 Prozent. In den Betrieben der Metall-und Elektroindustrie, die einen Tarifvertrag haben, beträgt die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen 12,6 Prozent. In den Betrieben ohne Tarifvertrag beträgt die Entgeltlücke 18,4 Prozent.

Was sind die Gründe, dass Frauen immer noch so viel weniger verdienen als Männer?

  • Frauen arbeiten häufiger in Branchen und Berufen, die schlechter bezahlt sind.
  • Frauen sind seltener in Führungspositionen.
  • Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und in Minijobs.
  • Selbst bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit verdienen Frauen in Deutschland gesamtgesellschaftlich betrachtet 6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Entgeltgleichheit ist eines der zentralen Themen der IG Metall Frauen. Wir fordern die Beseitigung der Entgeltlücke durch:

  • Tarifbindung für alle Betriebe
  • Ausbau des Entgelttransparenzgesetzes zu einem wirksamen Entgeltgleichheitsgesetz

Der Entgeltunterschied hat für Frauen nicht nur Auswirkungen während des Erwerbslebens, sondern setzt sich nahtlos in der Rentenlücke zwischen Männern und Frauen im Alter fort. Maßgeblich für die Höhe der Rente im Alter ist u. a. die Anzahl der Jahre, die Männer und Frauen versicherungspflichtig gearbeitet haben, ob in Vollzeit oder Teilzeit und die Höhe der Beiträge, die während der Erwerbstätigkeit in die Rentenversicherung eingezahlt wurden. Danach erhalten Frauen im Durchschnitt im Alter eine wesentliche niedrigere Rente und sind sehr viel häufiger von Altersarmut betroffen.

Die Gründe hierfür sind die gleichen, die zur Entgeltlücke führen:

  • Frauenspezifische Berufe werden oft schlechter bezahlt.
  • Frauen sind häufiger prekär beschäftigt und machen seltener Karriere.
  • Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und nehmen längere Auszeiten u.a. für Kindererziehung und Pflege von Angehörigen.

Die geschlechtsbezogene Rentenlücke, das sogenannte Gender Pension Gap, beträgt 53 Prozent. Das bedeutet, Frauen erhalten im Durchschnitt 53 Prozent, also mehr als die Hälfte, weniger Rente als Männer. Für viele Frauen heißt das, dass die Rente nicht ausreicht für ein auskömmliches und würdiges Leben im Alter. Um diese Rentenlücke zu Ungunsten der Frauen zu beseitigen, fordern wir:

  • Stabilisierung und Anhebung des Rentenniveaus
  • Ausbau der Grundrente
  • Entgeltgleichheit für Frauen und Männern
  • Abbau steuerlicher Fehlanreize ( Stichwort Ehegattensplitting, Minijobs)
  • Frauenförderung für gleiche Chancen bei der beruflichen Entwicklung
  • flächendeckende, qualitative Kita-Hortplätze, um Familie und Beruf für Frauen und Männer besser vereinbaren zu können.

Dafür streiten wir und freuen uns, wenn auch Du uns unterstützt.

Renate Müller, Mitglied im Ortsfrauenausschuss (OFA)