Nach Corona haben Frauen und Männer die gleichen Chancen im Beruf und kümmern sich gleichermaßen um den Haushalt und die Familie.

Teil 5 unserer Statement- Serie zum Internationalen Frauentag. Mitglieder des Ortsfrauenausschusses berichten, was sie sich für die Zeit nach Corona wünschen.

Viele Familien wünschen sich schon seit längerem eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Corona-Krise stellt die Familien schon seit Monaten auf eine harte Probe. In den meisten Fällen sind allerdings Hausarbeit und Kinderbetreuung vor allem an den Frauen hängen geblieben. Und das, obwohl es gerade die Frauen sind, die in systemrelevanten Berufen, wie z.B. dem Einzelhandel, der Pflege oder der Sozialarbeit, arbeiten. Sie bekommen nicht nur eine unterdurchschnittliche Bezahlung, sondern auch ein geringes gesellschaftliches Ansehen. Die Doppelbelastung durch Kinderbetreuung und Job ist für viele eine große Herausforderung.

Die Krise zeigt aber auch positive Folgen. Das Arbeiten im Homeoffice ist in vielen Unternehmen zur Selbstverständlichkeit geworden und manche Paare haben die Krise genutzt, um die sogenannte Care-Arbeit neu aufzuteilen.

Die Krise hat in einigen Personalabteilungen das Bewusstsein geschärft, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein zentraler Produktivitätsfaktor ist. Viele Unternehmen haben Arbeitszeitregeln eingeführt oder ausgebaut, die die Vereinbarkeit erleichtern. Darunter fallen individuell vereinbarte Arbeitszeiten, flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten sowie Homeoffice und Telearbeit. Auch das Bundesministerium hat reagiert. Mit einer Gesetzesreform soll das Elterngeld flexibler, partnerschaftlicher und vereinfachter werden – durch mehr Teilzeitmöglichkeiten und weniger Bürokratie- sollen Eltern unterstützt werden, Familienleben und Beruf noch besser zu vereinbaren. Diese Regelung soll zum 1. September 2021 in Kraft treten. Die IG Metall hat schon mit dem Tarifabschluss 2018 für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie durchgesetzt, dass Beschäftigte, die in Schicht arbeiten, Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, wahlweise einen Teil des tariflichen Zusatzgeldes in Zeit umwandeln und somit zusätzlich acht Tage im Jahr mehr frei haben.

Damit aber gerade junge Arbeitnehmer nicht zweifeln müssen, ob Job und Familie wirklich vereinbar sind, müssen passende Rahmenbedingungen geschaffen werden. Auch Unternehmen profitieren davon, sich Familienfreundlichkeit auf die Fahne zu schreiben und in der Kultur Tag für Tag zu praktizieren. Es macht die Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber und wirkt dem Fachkräftemangel entgegen. Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirkt sich zusätzlich auch auf die Mitarbeiter aus, die bereits im Unternehmen sind. Sie fühlen sich glücklicher und zufriedener bei der Arbeit, arbeiten motivierter und somit auch produktiver und entwickeln eine größere Loyalität zum Arbeitgeber.

Doch nicht nur die Unternehmen müssen nachbessern, auch die Politik muss reagieren. Zwar werden Kitaplätze ausgebaut, doch fehlt es oftmals an ausreichend Betreuungsmöglichkeiten, oder die Kosten für eine Betreuung sind hoch, weshalb sich viele Eltern für eine Teilzeitreglung entscheiden. Im Jahr 2019 lag die Teilzeitquote von erwerbstätigen Frauen mit minderjährigen Kindern bei 66,2 Prozent, bei erwerbstätigen Männern lag die Teilzeitquote im gleichen Jahr bei 6,4 Prozent.

Teilzeitbeschäftigung bedeutet häufig ungesicherte Arbeitsplätze, schlechtere soziale Absicherungen, sowie geringere Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen, da es in den meisten Fällen auf Frauen zutrifft, sollten wir weiter dafür kämpfen, dass gerade Frauen die Chance bekommen einen Beruf nachzugehen UND Zeit für die Familie zu haben.

Nadine Lang, Betriebsratsmitglied Autokühler Hofgeismar