Nach Corona ist die Chancengleichheit erkämpft!

Teil 7 unserer Statement- Serie zum Internationalen Frauentag. Mitglieder des Ortsfrauenausschusses berichten, was sie sich für die Zeit nach Corona wünschen.

Das Frauenwahlrecht wurde vor 110 Jahren von unseren VorkämpferInnen für Gleichberechtigung erkämpft und umgesetzt. Für uns heute eine absolute Selbstverständlichkeit, die kaum mehr Beachtung findet. Umso wichtiger ist es, sich darüber klar zu werden, dass es im Vorfeld grosse Widerstände in Politik und Wirtschaft gab und Frauen für ihr Engagement sogar verunglimpft und ausgegrenzt wurden. Im Rückblick können wir feststellen: Wir blicken nicht nur auf ein gutes und erfolgreiches Fundament bei der Verwirklichung von Fraueninteressen, sondern wir haben unsere berechtigten Forderungen als Teil von knapp mehr als 50 Prozent der Gesellschaft auch konsequent und erfolgreich weiter entwickelt!

"Wer die Besten will, kann auf Frauen nicht verzichten", das war eine zentrale Aussage und Forderung der IG Metall für eine faire Teilhabe von Frauen auf allen Ebenen von Politik und Wirtschaft. Es geht hierbei um nicht mehr – aber eben auch nicht weniger – als auch insbesondere um eine gerechte Verteilung von Positionen auf allen Führungsebenen in Unternehmen mit Sitz in Deutschland auch für Frauen. 2011 wurde die 30 %-Quote für Frauen im Hinblick auf Aufsichtsratsmandate Gesetz und wird seit 2015 umgesetzt. Ein Meilenstein und richtiger und wichtiger Schritt – aber keineswegs ein Selbstläufer! Schließlich wurde dies erst über 100 Jahre nach dem Inkrafttreten des Frauenwahlrechts Wirklichkeit! Es ist ein Unding, dass es nun weitere zehn Jahre gedauert hat, bis nun endlich in diesem Jahr ein Gesetz für die Beteiligung von Frauen auf Vorstandsebenen von börsennotierten Unternehmen verabschiedet werden konnte. Dennoch ist es ein weiterer Meilenstein auf dem Weg für eine gerechte Teilhabe und ein Riesenerfolg, der wesentlich auch auf den Einfluss der IG Metall in unseren Betrieben und auf der politischen Ebene zurückzuführen ist!

Es ist leider bezeichnend, dass es auch hierfür einer gesetzlichen Regelung bedurfte, denn die sogenannte freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen hat über weite Strecken im Vorfeld null Ergebnis gehabt. Null im doppelten Sinn, denn beschämenderweise haben sich die meissten Unternehmen damit disqualifiziert, dass sie als Zielgröße für Vorstandsposten tatsächlich eine "0" angegeben haben…

Ich weiss sehr gut, dass vielen von uns Frauen dieses Schneckentempo zum Hals heraushängt – gerade weil als Gesellschaft durch internationale Wissenschaft und Forschung beispielsweise in der Lage sind, nun sogar den Mars zu "erobern". Auch jetzt, wo viele wichtige Meilensteine erfolgreich erreicht und durchgesetzt wurden, gibt es immer noch viel zu tun. Unsere Themen werden wohl nie Selbstläufer werden – daher bleiben wir auch dran!

Wir verlieren als IG Metall insgesamt und auch als Frauen, die in Führungspositionen angekommen sind, auch nicht den Blick fürs Ganze. Wir sind nicht elitär, weil wir persönlich nun "Pöstchen" bekleiden – sondern streiten weiterhin für alle Belange, die die Rolle von Frauen bestärkt und unterstützt: Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, Steigerung des Anteils von Frauen und Mädchen in der gewerblich-technischen Berufsausbildung zur Steigerung des Frauenanteils in den Betrieben, Ausbau von Kinderbetreuung, Kampf gegen Altersarmut, die ein in 1. Linie weibliches Gesicht hat und, und, und…

Das alles sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Und es bleibt dabei: Frauenrechte sind Menschenrechte! Überall dort, wo es mit Frauenrechten schlecht bestellt ist, sieht es  mit den Menschenrechten nicht besser aus – und umgekehrt! Ein Blick in viele Regionen der Welt zeigt uns, daß wir auf der Erfolgsleiter recht weit oben stehen.

Wir wollen allen Frauen in den unterschiedlichsten Arbeits- und Lebenssituationen Mut machen – national wie international! Das zeigt auch: Der Internationale Frauentag ist seit seiner Entstehung wichtig und aktuell geblieben - und ich rufe allen Frauen zu:

"Eine Frau allein ist stark – zusammen haben wir die Macht!"

Ulrike Jakob, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Volkswagenwerk Baunatal