30.08.2017 | Bundestagswahl

Kontroverse Diskussion im Gewerkschaftshaus

Digitalisierung, selbstbestimmte Arbeitszeiten, Rente und Tarifverträge – diese Themen haben am Mittwochabend die Diskussion der IG Metall Nordhessen mit Bundestagskandidaten dominiert. „Die Rente ist das wichtigste sozialpolitische Thema“, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen in seiner Einführung. „Es ist nicht hinnehmbar, dass die Durchschnittsrente sich immer mehr dem Sozialhilfeniveau nähert“, sagte er. Eine weitere Absenkung müsse dringend verhindert werden. Dietzel forderte zudem eine klar Positionierung der Politiker zur Tarifbindung der nordhessischen Betriebe. Ein „Outsourcing über Nacht“, bei dem ganze Betriebsteile aus der Tarifbindung in den Billiglohnsektor verschoben würden, müsse gesetzlich verhindert werden.

Aktuelles Beispiel sei die Tarifflucht der Arbeitgeber im hessischen Kfz-Handwerk. „Obwohl es keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Branche gibt, sollen 40.000 hessische Beschäftigte ihre Ansprüche aus den Tarifverträgen verlieren“, sagte Dietzel. Das sei ein Skandal und müsse von der Politik klar beantwortet werden.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung gab es kontroverse Diskussionen über die Tarifbindung, die von Norbert Wett (CDU) als bürokratisches Hemmnis für Familienbetriebe dargestellt wurde. Sabine Leidig (Linke) und Timon Gremmels (SPD) widersprachen dem CDU-Politiker klar und erklärten, weder die Tarifbindung noch arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeiten seien ein Beschäftigungshemmnis. Auch Boris Mijatovic (Grüne) sprach sich dafür aus, über moderne Arbeitszeitregelungen für Beschäftigte verschiedene Lebensmodelle zu ermöglichen.

In der Fragerunde kamen aus dem Publikum vor allem die Stichworte Ausbildung und Qualifizierung. „Wie können wir die jungen Leute fit machen für die zukünftige Arbeitswelt“, lautete eine Frage. Auch die Vereinbarkeit von ökologischem Fortschritt und ökonomischer Entwicklung wurde angesprochen. „Gerade im Automobilbereich hängen die Einkommen von tausenden Menschen in Nordhessen von dieser Frage ab“, sagte der Betriebsratsvorsitzende des Volkswagenwerks Kassel, Carsten Bätzold,in der von Ferdije Rrecaj (Abteilung Bildung beim Vorstand der IG Metall) moderierten Diskussion.

Eine konkrete Wahlempfehlung gibt die IG Metall übrigens nicht ab. „Aber wir empfehlen unseren Mitgliedern, ihr Wahlrecht zu nutzen und rufen ausdrücklich dazu auf, nicht die AfD zu wählen“, sagte Oliver Dietzel. Auch außerhalb von Wahlzeiten will die IG Metall aktiv bleiben. Das lohne sich auch, denn „ohne die Gewerkschaften hätte es wohl keine Rente mit 63 für langjährig Versicherte gegeben“, sagte der Gewerkschafter. Mitgestalten nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Politik laute das Motto.

(Fotos: Martin Sehmisch)

 

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