13.04.2021 | Tarifrunde Volkswagen

Tarifabschluss für VW-Beschäftigte

Die IG Metall hat sich mit Volkswagen auf ein Tarifergebnis verständigt. In Wolfsburg konnte in der Nacht von Montag auf Dienstag zwischen den beiden Tarifparteien eine Einigung erzielt werden: Der Kompromiss bei Volkswagen regelt deutliche und nachhaltige Entgeltsteigerungen, macht die bisher schwankende Leistungsorientierte Vergütung (LOV) auf hohem Niveau zu einem fest planbaren Teil des Entgelts, ermöglicht erstmals allen Beschäftigten Wahlfreiheit für zusätzliche freie Tage im Jahr und bestärkt nicht zuletzt das klare Bekenntnis des Arbeitgebers zur konstant hohen Zahl der Ausbildungsplätze.

Die Warnstreiks haben sich gelohnt – es gibt keine Abschluss bei Volkswagen. (Foto: Martin Sehmisch)

Die Eckpunkte des Abschlusses:

  • tabellenwirksame Erhöhung um 2,3 % ab 1.1.2022
  • 1.000 Euro Corona-Prämie im Juni (Azubis: 600 Euro)
  • leistungsorientierte Vergütung wird mit 150 Euro auf Höchstniveau zum festen Bestandteil des Entgelts
  • T-ZUV: 3 Tage Wahlfreiheit für alle Beschäftigten
  • Ausbildungsgarantie von 1.400 Plätzen bis 2025

"Trotz Krise steht der VW-Konzern gut da. Die Belegschaft hat ihren fairen Anteil am Erfolg des Unternehmens verdient, denn schließlich ist sie es, die dafür Sorge getragen hat, dass Volkswagen widrigen Pandemiebedingungen zum Trotz mit positiven Ergebnissen durch die Krise navigiert ist und die Herausforderungen der Transformation entschlossen anpackt", erklärt Thorsten Gröger, Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall. Der neue Haustarifvertrag sieht eine spürbare Entgelterhöhung für die Beschäftigten vor. Im Juni 2021 erhalten die Beschäftigten eine Corona-Prämie in Höhe von 1000 Euro, Auszubildende erhalten 600 Euro. Ab dem 1. Januar 2022 gibt es eine tabellenwirksame Entgelterhöhung von 2,3 Prozent.

Die Zusage Volkswagens, jedes Jahr 1.400 jungen Menschen den Berufseinstieg (Ausbildung und Duales Studium) zu ermöglichen, hat Bestand und wird bis Ende 2025 fortgeschrieben. Ferner dürfen alle Beschäftigten einen Teil der Zusatzvergütung in drei freie Tage wandeln. Die tarifliche Zusatzvergütung hatte bisher nur eine Wahloption für besonders belastete Beschäftigtengruppen: Wer kleine Kinder hat, Angehörige pflegt oder regelmäßig Schicht arbeitet, konnte die 27,5 Prozent Extrazahlung, die jeden September fließen, in sechs zusätzliche freie Tage wandeln. Beschäftigte, die nicht in die drei Kategorien fielen, bekamen jedoch nur das Geld. Nun ist erstmals eine generelle Öffnung gelungen: Alle Beschäftigten, die wollen, können auf die Hälfte ihrer Zusatzvergütung verzichten und das Geld stattdessen in drei freie Tage eintauschen. Die besonders belasteten Gruppen (Eltern, Pflege, Schicht) behalten die Möglichkeit, wie bisher die vollen sechs Tage für sich in Anspruch zu nehmen. Die bisherige „Leistungsorientierte Vergütung“ (LOV), die bei den Tarifbeschäftigten pro Monat je nach Zielerreichung und Bewertung durch die Führungskraft zwischen 100 und 150 Euro schwankte, wird auf Höchstniveau fester Teil des Entgelts. Hierzu wird einheitlich der Betrag von 150 Euro brutto festgelegt, der als neue tarifliche Zulage fester, tarifdynamischer Bestandteil auf der Gehaltsabrechnung wird.

Gröger erläutert: „Das Ergebnis, das wir heute Nacht ausgehandelt haben, führt dazu, dass die VW-Belegschaft ein spürbares Plus im Portmonee vorfinden wird. Sie sind es, die trotz der Corona-Pandemie und unter widrigen Arbeitsbedingungen – ob mit Maske, auf Abstand, in Kurzarbeit oder im Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling – dafür Sorge getragen haben, dass der Autobauer trotz Krise positive Resultate eingefahren hat. Die Kolleginnen und Kollegen verdienen es, am guten Ergebnis beteiligt zu werden!“ Seinen ausdrücklichen Dank richtet Gröger an die Beschäftigten, die durch Warnstreiks und Protestaktionen, den Druck auf die Arbeitgeberseite in der Tarifrunde deutlich erhöht und die Verhandlungsposition der IG Metall untermauert haben. „Mehr als 140.000 Warnstreikende an den verschiedenen Volkswagen-Standorten sowie bei den VW-Töchtern haben eindrucksvoll gezeigt, dass wir auch unter Pandemiebedingungen – mit Maske und Abstand – voll handlungsfähig sind. Ohne dieses Engagement wäre dieser Abschluss nicht zustande gekommen!“

Volkswagen-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh betont: „Das ist ein starker Abschluss, den sich unsere Belegschaft gerade auch in Corona-Zeiten verdient hat. Es gibt spürbar mehr Geld, was nach rund drei Jahren Wartezeit eindeutig anstand. Die Wahloption auf mehr freie Tage für alle Beschäftigten ist ein echter Durchbruch. Das wollen wir in den kommenden Jahren fortsetzen. Denn mehr individuelle Flexibilität bei der Wahl zwischen Geld oder Freizeit ist ein großer Wunsch in der Belegschaft. Unsere bis 2025 fortgeschriebene Garantie für die Ausbildung setzt das richtige Zeichen: Unser Nachwuchs hat Zukunft bei VW.“

Der Haustarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30. November 2022. Er gilt für die VW-Werke in Wolfsburg, Braunschweig, Hannover, Salzgitter, Emden und Kassel sowie für die Financial Services AG, Volkswagen Immobilien GmbH, Volkswagen Vertriebsbetreuungsgesellschaft mbH. Außerdem sieht die IG Metall das Ergebnis auch als Referenz für die Tarifrunden bei weiteren Tochtergesellschaften, wie Sitech, Volkswagen Group Services, Autostadt, Wolfsburg AG und AutoVision, zu übertragen.