27.07.2021 | Sozialtarifvertrag für Vitesco

"Wir haben hier hunderte Arbeitsplätze gerettet"

Die IG Metall hat für die Beschäftigten von Vitesco Technologies in Bebra und Mühlhausen einen Sozialtarifvertrag mit der Arbeitgeberseite ausgehandelt. "Unsere Bereitschaft, in den unbefristeten Streik zu gehen, hat das Unternehmen in letzter Minute zur Vernunft gebracht", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen, Oliver Dietzel. Das Verhandlungsergebnis sichert den Produktions- und Entwicklungsstandort in Bebra mit derzeit gut 800 Beschäftigten bis Ende 2025. Die Zeit soll genutzt werden, um das Werk in Bebra auf die Elektromobilität auszurichten und zum europäischen Standort für Bauteile der Antriebstechnik zu entwickeln.

Oliver Dietzel sagt: Ohne die IG Metall wären hunderte Arbeitsplätze verloren gegangen. (Foto: Martin Sehmisch)

Der von Vitesco beabsichtigte Personalabbau wird auf etwa 200 Arbeitsplätze begrenzt und soll weitgehend über Altersteilzeit und eine vorübergehende Arbeitszeitabsenkung mit Teilentgeltausgleich gestaltet werden. Der Sozialplan sieht zudem Abfindungen von bis zu 180.000 Euro pro Person vor. Trotz scharfer Kritik war das Unternehmen nicht von der Schließung des Betriebsteils in Mühlhausen abzubringen. Sie wird allerdings um zwei Jahre auf Ende 2024 verschoben und durch Qualifizierungsmöglichkeiten abgemildert. Vitesco hat sich zudem verpflichtet, aktiv nach einem Käufer zu suchen, der den Betriebsteil übernehmen und erhalten könnte.

 

Dietzel: Arbeitgeber müssen sich um Konzepte kümmern

"Wir haben gemeinsam mit einer streikbereiten und engagierten Belegschaft in Bebra hunderte Arbeitsplätze gerettet und endlich den Einstieg des Werks in die Elektromobilität vereinbart", sagte Oliver Dietzel. "Das zeigt, wie wichtig und erfolgversprechend es ist, gerade inmitten von wirtschaftlichen Veränderungsprozessen die Interessen der Beschäftigten klar und deutlich zu vertreten", so der Gewerkschafter. Die Arbeitgeber in der Region rief Dietzel auf, sich um zukunftsfähige Konzepte zu kümmern. "Vitesco hat gezeigt, dass Kahlschlag mit uns nicht zu machen ist", sagte er. "Zukunftsfähigkeit können Unternehmen nur gemeinsam mit den Beschäftigten erlangen."

 

Mitglieder fällen die finale Entscheidung

Das Verhandlungsergebnis wird in dieser Woche im Rahmen von Betriebsversammlungen vorgestellt. Die Mitglieder der IG Metall stimmen dann bis Freitag ab. Erst wenn sie zugestimmt haben, ist das Mittel des Streiks endgültig vom Tisch. Die Tarifkommission der IG Metall empfiehlt einstimmig die Annahme des Verhandlungsergebnisses.

 

Zum Ergebnisflugblatt des IG Metall-Bezirks Mitte (PDF-Direktlink)